Wann muss die elektrische Anschlussleistung erhöht werden?
Wenn beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Geräte eine Sicherung auslöst, ist eine höhere Anschlussleistung nicht automatisch die richtige Lösung.
Häufig ist nur ein einzelner Stromkreis überlastet, obwohl für die gesamte Wohnung noch ausreichend Leistung verfügbar wäre. In anderen Fällen wurden Verbraucher ungünstig auf Stromkreise oder Phasen verteilt. Auch ein defektes Gerät oder eine beschädigte Anschlussstelle kann den Eindruck erwecken, der Stromanschluss sei zu schwach.
Eine tatsächliche Leistungserhöhung wird erst dann relevant, wenn die geplanten Verbraucher die verfügbare Leistung des Wohnungs- oder Gebäudeanschlusses auch nach einer sinnvollen Aufteilung dauerhaft überschreiten.
Die wichtigste Entscheidung lautet daher: Liegt das Problem an einem Gerät, an einem einzelnen Stromkreis, an der Lastverteilung innerhalb der Anlage oder am Anschluss an das öffentliche Netz?
Bevor eine größere Absicherung beantragt oder eingebaut wird, müssen Verbraucher, Verteiler, Leitungen, Zuleitung und tatsächliche Nutzung gemeinsam geprüft werden.
Vier Ebenen, die nicht verwechselt werden dürfen
Beim Satz „Der Strom ist zu schwach“ können vier unterschiedliche Probleme gemeint sein.
| Ebene | Typisches Problem | Typische Folge | Mögliche Maßnahme |
|---|---|---|---|
| einzelnes Gerät | Defekt oder ungewöhnliche Stromaufnahme | FI oder Sicherung löst nur bei diesem Gerät aus | Gerät und Anschluss getrennt prüfen |
| einzelner Stromkreis | zu viele Verbraucher auf einer Leitung | nur ein Leitungsschutzschalter fällt | Verbraucher aufteilen oder neuen Stromkreis planen |
| Verteiler und Lastverteilung | Verbraucher sind ungünstig verteilt | einzelne Phasen oder Bereiche werden stark belastet | Lasten fachlich neu zuordnen |
| Wohnungs- oder Netzanschluss | verfügbare Gesamtleistung reicht nicht | Hauptabsicherung oder vorgelagerte Schutzorgane reagieren | Leistungserhöhung prüfen und beantragen |
Wer diese Ebenen nicht trennt, kann viel Geld für eine Maßnahme ausgeben, die das eigentliche Problem nicht löst.
Eine höhere Anschlussleistung hilft beispielsweise nicht, wenn eine Steckdose wegen einer losen Verbindung heiß wird.
Ebenso löst ein neuer Stromkreis innerhalb der Wohnung das Problem nicht vollständig, wenn der gesamte Gebäudeanschluss bereits an seiner Grenze liegt.

Vergleich zwischen Leistungserhöhung, neuem Stromkreis und besserer Lastverteilung
Welche Sicherung löst tatsächlich aus?
Bevor über eine Leistungserhöhung gesprochen wird, sollte dokumentiert werden, welches Schutzorgan reagiert.
Nur ein Leitungsschutzschalter löst aus
Wenn immer derselbe Leitungsschutzschalter fällt, ist meist ein einzelner Stromkreis betroffen.
Mögliche Ursachen:
- zu viele gleichzeitig betriebene Geräte,
- ein neuer leistungsstarker Verbraucher,
- beschädigte Leitung,
- Kurzschluss,
- lose oder überhitzte Verbindung,
- ungeeignete Aufteilung der Steckdosen,
- defektes Gerät.
In diesem Fall ist nicht automatisch die Anschlussleistung der gesamten Wohnung zu klein.
Der FI-Schalter löst aus
Ein FI-Schalter beziehungsweise Fehlerstrom-Schutzschalter reagiert auf einen Fehlerstrom und nicht einfach auf einen hohen normalen Verbrauch.
Mögliche Ursachen sind:
- defektes Gerät,
- Feuchtigkeit,
- beschädigte Isolation,
- fehlerhafte Verbindung von Neutral- und Schutzleiter,
- Fehler in einem neu errichteten oder veränderten Stromkreis.
Eine höhere Anschlussleistung beseitigt keinen Fehlerstrom.
Wenn sich der FI-Schalter nicht mehr einschalten lässt, darf er weder blockiert noch überbrückt werden. Weitere Hinweise finden Sie im Beitrag FI-Schalter lässt sich nicht mehr einschalten.
Die Hauptabsicherung oder ein vorgelagertes Schutzorgan reagiert
Wenn nicht nur ein Raum, sondern die gesamte Wohnung oder ein größerer Gebäudebereich betroffen ist, kann die Gesamtbelastung eine Rolle spielen.
Trotzdem müssen zunächst folgende Ursachen ausgeschlossen werden:
- Gerätedefekt,
- Leitungsfehler,
- Kurzschluss,
- lose Verbindung,
- ungünstige interne Lastverteilung.
Plombierte oder dem Netzbetreiber zugeordnete Bereiche dürfen nicht von Bewohnern oder nicht befugten Personen geöffnet oder verändert werden.
Anschlussleistung und Stromkreisleistung sind nicht dasselbe
Die Anschlussleistung beschreibt vereinfacht, welche elektrische Leistung für eine Anlage oder einen Netzanschluss vorgesehen beziehungsweise vereinbart ist.
Ein Stromkreis ist dagegen nur ein Teil der Elektroinstallation. Er versorgt beispielsweise:
- Küchensteckdosen,
- Beleuchtung,
- Schlafzimmer,
- Klimaanlage,
- Backofen,
- Wallbox,
- Geräte in einem Geschäftslokal.
Eine Wohnung kann insgesamt genügend Anschlussleistung haben, obwohl ein einzelner Küchenstromkreis regelmäßig überlastet wird.
Umgekehrt kann jeder einzelne Stromkreis technisch sinnvoll ausgeführt sein, während die gleichzeitige Nutzung von Wallbox, Klimaanlage, elektrischer Küche und weiteren Geräten die verfügbare Gesamtleistung überschreitet.
Deshalb muss unterschieden werden zwischen:
- Kapazität eines einzelnen Stromkreises,
- Verteilung innerhalb des Verteilers,
- Zuleitung zur Wohnung,
- verfügbarer Leistung des Hausanschlusses,
- technisch oder vertraglich vorgesehener Anschlussleistung.
Wann reicht eine bessere Lastverteilung?
Eine bessere Lastverteilung kann ausreichen, wenn die Gesamtleistung grundsätzlich vorhanden ist, die Verbraucher aber ungünstig aufgeteilt wurden.
Typische Situationen:
- mehrere leistungsstarke Küchengeräte liegen auf demselben Stromkreis,
- Klimaanlage und weitere Verbraucher wurden nachträglich an bestehende Steckdosen angeschlossen,
- mehrere Geräte belasten überwiegend denselben Außenleiter,
- ein Geschäftslokal wurde erweitert, ohne die Stromkreise neu zu planen,
- zusätzliche Geräte wurden nur an freie Steckdosen angeschlossen,
- die Nutzung hat sich verändert, die Elektroplanung aber nicht.
Bei einer fachlichen Prüfung werden nicht nur die Nennwerte auf den Typenschildern addiert.
Relevant sind auch:
- tatsächliche Gleichzeitigkeit,
- Betriebsdauer,
- Anlaufverhalten,
- vorhandene Stromkreise,
- Leitungswege,
- Schutzorgane,
- Verteilung auf die Phasen,
- Reserven im Verteiler,
- zukünftige Erweiterungen.
Ein Gerät, das nur wenige Minuten am Tag läuft, wirkt sich anders aus als eine Wallbox, elektrische Heizung oder Klimaanlage, die über längere Zeit Leistung benötigt.
Wann ist ein neuer Stromkreis die bessere Lösung?
Ein neuer Stromkreis kann sinnvoll sein, wenn nur ein bestimmter Bereich oder ein neues Gerät die bestehende Installation überfordert.
Beispiele:
- ein Induktionskochfeld wird neu eingebaut,
- eine Klimaanlage kommt in einer Altbauwohnung hinzu,
- mehrere Geräte werden in einer neuen Küche gleichzeitig genutzt,
- ein Homeoffice erhält zusätzliche technische Geräte,
- ein Geschäftslokal installiert neue Kühl-, Heiz- oder Gastrogeräte,
- eine Steckdosengruppe versorgt zu viele Räume,
- eine Waschmaschine oder ein Trockner wird neu ergänzt.
Für Klimageräte sind die konkrete Herstelleranforderung, Leitungslänge, Verlegeart und der vorhandene Verteiler wichtig.
Der Beitrag Klimaanlage im Wiener Altbau: Braucht sie einen eigenen Stromkreis? behandelt diese Entscheidung ausführlicher.
Für Kochfeld und Backofen gelten ebenfalls keine universellen Kabel- und Sicherungswerte.
Die vorhandene Elektroinstallation und das konkrete Gerät müssen gemeinsam beurteilt werden. Weitere Informationen enthält der Artikel Induktionskochfeld anschließen in Wien.
Ein eigener Stromkreis erhöht jedoch nicht automatisch die Gesamtleistung des Netzanschlusses. Er verteilt die vorhandene Leistung innerhalb der Anlage sauberer und nachvollziehbarer.
Wann wird eine echte Leistungserhöhung notwendig?
Eine Leistungserhöhung sollte geprüft werden, wenn die geplante Nutzung auch nach sinnvoller Aufteilung der Stromkreise die verfügbare Gesamtleistung überschreitet.
Das kann beispielsweise der Fall sein bei:
- Umstieg von Gas auf eine weitgehend elektrische Küche,
- mehreren Klimageräten,
- elektrischer Warmwasserbereitung,
- zusätzlicher Elektroheizung,
- Wallbox oder mehreren Ladepunkten,
- Umwandlung einer Wohnung in ein Büro oder Geschäftslokal,
- Erweiterung eines Gewerbebetriebs,
- gleichzeitiger Nutzung mehrerer leistungsstarker Geräte,
- Ausbau eines Hauses mit zusätzlichen Wohneinheiten.
Eine fundierte Entscheidung benötigt eine Leistungsaufstellung.
Darin werden die vorhandenen und geplanten Verbraucher, ihre Nutzung und die zu erwartende Gleichzeitigkeit erfasst.
Für neue oder zu verstärkende Anschlüsse ist zunächst eine Elektrikerfirma mit Gewerbeberechtigung für Elektrotechnik einzubeziehen.
Sie ermittelt den Strombedarf, prüft die bestehende Anlage, erstellt die notwendigen technischen Unterlagen und reicht die Anfrage beim Netzbetreiber ein.
Die Leistungserhöhung beginnt daher nicht mit dem eigenmächtigen Austausch einer Sicherung, sondern mit einer technischen Bestandsaufnahme.
Wallbox: Leistung erhöhen oder Lastmanagement einsetzen?
Eine Wallbox stellt häufig eine länger andauernde zusätzliche Belastung dar.
Trotzdem ist eine Leistungserhöhung nicht in jedem Gebäude die erste oder einzige Lösung.
Mögliche Varianten sind:
- begrenzte Ladeleistung,
- Laden zu Zeiten mit geringerem Gebäudeverbrauch,
- statisches Lastmanagement,
- dynamisches Lastmanagement,
- gemeinsames Lastmanagement für mehrere Ladepunkte,
- Verstärkung von Zuleitung oder Netzanschluss.
Lastmanagement verteilt oder begrenzt die verfügbare Leistung so, dass technisch verfügbare Grenzen nicht überschritten werden.
Der Beitrag Lastmanagement für Wallboxen in Mehrparteienhäusern erklärt die Unterschiede zwischen statischer und dynamischer Steuerung.
Für Eigentumswohnungen werden zusätzlich Leitungsweg, Allgemeineigentum und Abstimmung mit der Hausverwaltung im Artikel Wallbox in einer Wiener Eigentumswohnung behandelt.
Vor der Entscheidung müssen unter anderem geprüft werden:
- verfügbare Hausanschlussleistung,
- bestehende Verbraucher,
- gewünschte Ladeleistung,
- Zahl der Ladepunkte,
- Leitungsweg,
- Zählerkonzept,
- Zustimmung für Allgemeinteile,
- Möglichkeit eines Lastmanagements.
Eine freie Steckdose in der Garage beweist nicht, dass der Anschluss für dauerhaftes Fahrzeugladen geeignet ist.
Kann der Smart Meter den Bedarf nachweisen?
Die Verbrauchsdaten eines Smart Meters können helfen, Nutzungszeiten und Verbrauchsspitzen besser zu verstehen.
Je nach gewählter Einstellung lassen sich Tages- oder kürzere Verbrauchsintervalle auswerten.
Diese Daten sind für die Planung hilfreich, ersetzen aber keine Messung innerhalb der Elektroinstallation.
Der Smart Meter zeigt beispielsweise nicht automatisch:
- welcher einzelne Stromkreis überlastet ist,
- ob eine Steckdose eine lose Klemme hat,
- ob eine Leitung ausreichend dimensioniert ist,
- wie die Verbraucher auf die Phasen verteilt sind,
- ob ein Gerät einen ungewöhnlichen Anlaufstrom verursacht,
- ob Schutzleiter und FI-Schalter korrekt funktionieren,
- ob ein Problem innerhalb der Wohnung oder im Netzanschluss liegt.
Für eine fundierte Entscheidung können deshalb sowohl Verbrauchsdaten als auch Messungen am Verteiler und an den betroffenen Stromkreisen erforderlich sein.
Ein realistischer Fall aus einem kleinen Wiener Geschäftslokal
In einem kleinen Geschäftslokal wurden eine zusätzliche Kaffeemaschine, ein Kühlgerät und eine Klimaanlage installiert.
Sobald Kaffeemaschine und Klimagerät gleichzeitig liefen, fiel immer derselbe Leitungsschutzschalter.
Der Betreiber ging davon aus, dass die Anschlussleistung des gesamten Lokals erhöht werden müsse.
Bei der Prüfung zeigte sich jedoch:
- Nur ein Stromkreis war betroffen.
- Mehrere Geräte waren nachträglich an dieselbe Steckdosengruppe angeschlossen worden.
- Andere vorhandene Stromkreise wurden kaum belastet.
- Die Hauptabsicherung des Lokals löste nicht aus.
- Es gab keine Hinweise darauf, dass der gesamte Netzanschluss seine Grenze erreicht hatte.
Die passende Maßnahme war daher zunächst keine Leistungserhöhung.
Die Verbraucher wurden nach Prüfung der vorhandenen Leitungen sinnvoll aufgeteilt. Für einen dauerhaft betriebenen Verbraucher wurde ein geeigneter Stromkreis vorgesehen.
Erst eine spätere Erweiterung um weitere Geräte hätte eine neue Gesamtberechnung und möglicherweise eine Anpassung des Anschlusses erforderlich gemacht.
Dieses Beispiel zeigt, warum die Frage „Welche Sicherung fällt?“ wichtiger ist als die pauschale Aussage „Wir brauchen mehr Strom“.
Beispiel aus einer Wiener Eigentumswohnung
Eine Eigentümerin plant gleichzeitig:
- ein neues Induktionskochfeld,
- einen leistungsfähigeren Backofen,
- eine Klimaanlage,
- eine Wallbox in der Tiefgarage.
Jede einzelne Maßnahme könnte technisch planbar sein.
Die Kombination verändert jedoch das Lastprofil der Wohnung und möglicherweise auch des gesamten Gebäudes.
In diesem Fall müssen mehrere Ebenen geprüft werden:
- Stromkreise innerhalb der Wohnung
- Wohnungsverteiler
- Wohnungszuleitung
- Zählerplatz und Hausanschluss
- allgemeine Leitungswege zur Garage
- vorhandene Reserven des Gebäudes
- Lastmanagement für die Wallbox
- Abstimmung mit Hausverwaltung und Eigentümergemeinschaft
Eine einzelne neue Sicherung im Wohnungsverteiler beantwortet diese Fragen nicht.
Auch wenn genügend Platz im Verteiler vorhanden ist, kann die Wohnungszuleitung oder der Hausanschluss eine Grenze darstellen.
Wann müssen Hausverwaltung und Eigentümergemeinschaft einbezogen werden?
Die Hausverwaltung sollte frühzeitig beteiligt werden, wenn die Maßnahme über die reine Neuaufteilung innerhalb einer Wohnung hinausgeht.
Das gilt besonders bei:
- Verstärkung der Wohnungszuleitung,
- Arbeiten am Zählerplatz,
- Nutzung von Steigleitungen,
- Leitungsführung durch Stiegenhaus, Keller oder Garage,
- Änderungen am Hausanschluss,
- gemeinschaftlichem Lastmanagement,
- mehreren Wallboxen,
- Kosten, die Allgemeinteile des Gebäudes betreffen.
Bei einer Mietwohnung müssen dauerhafte Veränderungen außerdem mit Vermieter und gegebenenfalls Hausverwaltung abgestimmt werden.
Die technische Machbarkeit und die rechtliche Zustimmung sind zwei getrennte Fragen.
Ein Projekt kann technisch sinnvoll sein und trotzdem eine Zustimmung für die Nutzung gemeinschaftlicher Bereiche benötigen.
Ablauf einer Leistungserhöhung in Wien
Der genaue Ablauf hängt vom bestehenden Anschluss und vom Projekt ab.
Typischerweise umfasst er folgende Schritte:
1. Verbraucher und Nutzung erfassen
Erstellt wird eine Liste aller neuen und bestehenden leistungsrelevanten Geräte.
Dabei ist wichtig:
- Welche Geräte werden gleichzeitig betrieben?
- Wie lange laufen sie?
- Welche Geräte haben Motoren oder hohe Anlaufströme?
- Welche Verbraucher sind bereits geplant?
- Welche Erweiterungen sind in den nächsten Jahren vorgesehen?
2. Elektroinstallation prüfen
Geprüft werden unter anderem:
- Verteiler,
- bestehende Stromkreise,
- Schutzorgane,
- Leitungen,
- Wohnungszuleitung,
- Platzreserven,
- Schutzmaßnahme,
- Zustand der Anlage,
- erkennbare Schäden oder provisorische Erweiterungen.
3. Lastverteilung und Alternativen bewerten
Vor einem Antrag wird geklärt, ob folgende Maßnahmen ausreichen:
- neuer Stromkreis,
- bessere Phasenverteilung,
- Begrenzung einzelner Verbraucher,
- Lastmanagement,
- zeitversetzte Nutzung,
- Anpassung der Geräteplanung,
- Austausch ungeeigneter Geräte.
4. Leistungsaufstellung erstellen
Wenn eine Verstärkung erforderlich erscheint, erstellt eine befugte Elektrikerfirma die notwendigen technischen Unterlagen und ermittelt den tatsächlichen Strombedarf.
5. Anfrage beim Netzbetreiber
Die Elektrikerfirma reicht die technische Anfrage ein.
Der Netzbetreiber prüft die vorhandenen Gegebenheiten und die technische Umsetzbarkeit.
Falls eine Verstärkung notwendig ist, können ein Angebot und zusätzliche technische Vorgaben folgen.
6. Bauliche und elektrische Maßnahmen durchführen
Je nach Ergebnis können Arbeiten erforderlich sein an:
- Wohnungszuleitung,
- Verteiler,
- Zählerplatz,
- Steigleitung,
- Hausanschluss,
- Leitungswegen in Allgemeinteilen.
7. Prüfung und Fertigmeldung
Die Kundenanlage muss vorschriftsgemäß errichtet und durch ein befugtes Unternehmen geprüft und dokumentiert werden.
Welche Kosten können entstehen?
Eine Leistungserhöhung ist nicht nur der Austausch eines einzelnen Bauteils.
Mögliche Kostenbestandteile sind:
- Bestandsaufnahme und Messungen,
- Planung und Leistungsaufstellung,
- Änderungen am Wohnungsverteiler,
- neue oder verstärkte Zuleitung,
- Anpassung des Zählerplatzes,
- Arbeiten in allgemeinen Gebäudeteilen,
- Brandschutzmaßnahmen,
- Netzzutritts- oder Netzbereitstellungsentgelte,
- Prüfung und Dokumentation,
- Wiederherstellung von Wänden oder Schächten,
- Koordination mit Hausverwaltung und Netzbetreiber.
Eine seriöse Kostenschätzung ist erst möglich, wenn klar ist, ob:
- nur ein interner Stromkreis verändert wird,
- der Verteiler angepasst werden muss,
- die Wohnungszuleitung verstärkt werden muss,
- Arbeiten am Gebäudeanschluss erforderlich sind.
Ein verlässliches Angebot sollte interne Elektroarbeiten und mögliche Netzbetreiberkosten getrennt ausweisen.
Warum darf nicht einfach eine stärkere Sicherung eingesetzt werden?
Ein Leitungsschutzschalter wird passend zur geschützten Leitung und zu den Bedingungen des Stromkreises ausgewählt.
Wird nur der Schutzschalter größer gewählt, ohne Leitung, Verlegeart, Anschlüsse und Belastung zu prüfen, kann sich die Leitung zu stark erwärmen, bevor die Schutzfunktion reagiert.
Eine stärkere Sicherung ist deshalb keine allgemeine Lösung für:
- häufige Überlastung,
- zu viele Geräte,
- warme Steckdosen,
- alten Leitungsbestand,
- geringe Anschlussleistung,
- auslösenden FI-Schalter,
- defekte Geräte,
- beschädigte Verbindungen.
Die richtige Absicherung ergibt sich erst nach Prüfung und Berechnung der konkreten Installation.
Warnzeichen: Hier geht es nicht nur um mehr Leistung
Diese Symptome müssen zuerst als möglicher Fehler behandelt werden:
- Brandgeruch,
- warme oder verfärbte Steckdose,
- Knistern im Verteiler,
- flackernde Beleuchtung an mehreren Stellen,
- Ausfall ohne ausgelösten Schutzschalter,
- Kribbeln an Gerätegehäusen,
- auslösender FI-Schalter,
- sichtbare beschädigte Leitungen,
- Feuchtigkeit an elektrischen Bauteilen,
- ungewöhnliche Wärme an Anschlussstellen.
Ein größerer Anschluss repariert keine lose Klemme und keine beschädigte Isolation.
Der Artikel Sicherungskasten im Wiener Altbau erneuern beschreibt typische Warnzeichen eines veralteten oder problematischen Verteilers.
Was nicht getan werden darf
- Hauptsicherung oder plombierte Bereiche nicht selbst öffnen.
- Schutzschalter nicht ohne Berechnung größer dimensionieren.
- FI-Schalter nicht überbrücken.
- Wallbox nicht an eine beliebige Garagensteckdose anschließen.
- leistungsstarke Geräte nicht dauerhaft über Mehrfachsteckdosen betreiben.
- Anschlussleistung nicht nur anhand der Summe aller Typenschilder bestimmen.
- keine Leitung durch allgemeine Gebäudeteile ohne Abstimmung führen.
- keinen Antrag beim Netzbetreiber ohne technische Leistungsaufstellung vorbereiten.
- einen warmen oder auffälligen Stromkreis nicht weiter belasten.
- Fehler eines Gerätes nicht mit einer Leistungserhöhung kaschieren.
- Verteiler und Schutzgeräte nicht durch nicht befugte Personen verändern lassen.
Entscheidungstabelle: Welche Maßnahme ist wahrscheinlich?
| Beobachtung | Wahrscheinliches Problem | Sinnvolle nächste Prüfung |
| immer derselbe Stromkreis fällt | Überlastung oder Fehler dieses Stromkreises | Geräte, Leitung und Aufteilung prüfen |
| FI fällt bei einem Gerät | Fehlerstrom oder Gerätedefekt | Gerät und Anschluss getrennt prüfen |
| gesamte Wohnung fällt bei gleichzeitiger Nutzung aus | mögliche Grenze der Gesamtleistung | Gesamtlast, Zuleitung und Hauptabsicherung prüfen |
| nur die Küche ist betroffen | unzureichende Küchenstromkreise | Geräte und Stromkreisaufteilung bewerten |
| Wallbox soll ergänzt werden | länger dauernde zusätzliche Belastung | Hausanschluss und Lastmanagement prüfen |
| mehrere Wallboxen sind geplant | gemeinsame Leistungsbegrenzung | dynamisches Lastmanagement und Gebäudekonzept |
| Geschäftslokal erhält neue Geräte | Nutzungsänderung | Leistungsaufstellung und Gleichzeitigkeit |
| Steckdose wird heiß | Kontakt- oder Leitungsproblem | Nutzung stoppen und Fehler prüfen |
| Verteiler ist voll | fehlende Erweiterungsreserve | Verteilerkonzept prüfen |
| Smart Meter zeigt Verbrauchsspitzen | erhöhte Gesamtbelastung zu bestimmten Zeiten | Daten mit Stromkreismessungen ergänzen |
Checkliste vor einer Leistungserhöhung
-
Es ist dokumentiert, welcher Schutzschalter auslöst.
-
Ein Defekt einzelner Geräte wurde ausgeschlossen.
-
Die betroffenen Stromkreise wurden identifiziert.
-
Die vorhandene Lastverteilung wurde geprüft.
-
Neue Geräte und ihre Herstellerdaten sind bekannt.
-
Die gleichzeitige Nutzung wurde realistisch bewertet.
-
Der Verteiler wurde auf Zustand und Reserve geprüft.
-
Die Wohnungs- oder Geschäftszuleitung wurde berücksichtigt.
-
Smart-Meter-Daten wurden bei Bedarf ausgewertet.
-
Ein neuer Stromkreis wurde als Alternative geprüft.
-
Lastmanagement wurde als Alternative geprüft.
-
Die Hausverwaltung wurde bei Allgemeinteilen einbezogen.
-
Eine befugte Elektrikerfirma erstellt die Leistungsaufstellung.
-
Kosten für interne Arbeiten und Netzmaßnahmen werden getrennt ausgewiesen.
-
Prüfung und Dokumentation sind Teil des Auftrags.
Was ein technischer Bericht enthalten sollte
Ein brauchbarer Bericht zur Entscheidung über eine Leistungserhöhung sollte mindestens enthalten:
- Liste der vorhandenen und geplanten Verbraucher,
- realistische Gleichzeitigkeit,
- betroffene Stromkreise,
- aktuelle Lastverteilung,
- Zustand des Verteilers,
- Beurteilung der Zuleitung,
- relevante Messwerte,
- mögliche Alternative durch neue Stromkreise,
- mögliche Alternative durch Lastmanagement,
- erforderliche Arbeiten innerhalb der Wohnung,
- erforderliche Arbeiten an Allgemeinteilen,
- notwendige Abstimmung mit dem Netzbetreiber,
- offene Einschränkungen,
- Priorisierung der Maßnahmen.
Die Aussage „Hauptsicherung zu klein“ ist ohne Messung und technische Einordnung zu ungenau.
Ein guter Bericht sollte außerdem erklären, warum eine bestimmte Maßnahme empfohlen wird und welche Alternativen geprüft wurden.
FAQ
Muss die Anschlussleistung erhöht werden, wenn beim Kochen die Sicherung fällt?
Nicht zwingend. Wenn nur der Küchenstromkreis auslöst, können zu viele Geräte auf diesem Stromkreis liegen. Zuerst müssen Geräte, Leitung und Aufteilung geprüft werden.
Kann eine Wallbox ohne Leistungserhöhung installiert werden?
In manchen Gebäuden ja, beispielsweise mit begrenzter Ladeleistung oder Lastmanagement. Die Entscheidung hängt vom Hausanschluss, den bestehenden Verbrauchern, dem Leitungsweg und der Wallbox ab.
Reicht ein Smart Meter für die Berechnung aus?
Nein. Verbrauchsdaten helfen bei der Analyse des Lastprofils, ersetzen aber keine Prüfung von Leitungen, Stromkreisen, Verteiler und Phasenverteilung.
Wer beantragt die Leistungserhöhung beim Netzbetreiber?
Die technische Anfrage wird über eine Elektrikerfirma mit Gewerbeberechtigung für Elektrotechnik vorbereitet und eingereicht. Das Unternehmen erstellt auch die erforderliche Leistungsaufstellung und prüft die Kundenanlage.
Muss bei einer Eigentumswohnung die Hausverwaltung informiert werden?
Wenn Zählerplatz, Zuleitung, Steigleitung, Garage oder andere allgemeine Gebäudeteile betroffen sind, sollte die Hausverwaltung frühzeitig einbezogen werden. Je nach Maßnahme kann auch die Eigentümergemeinschaft betroffen sein.
Fazit: Erst messen und verteilen, dann Leistung erhöhen
Eine auslösende Sicherung beweist nicht, dass eine Wohnung oder ein Geschäft insgesamt zu wenig Anschlussleistung hat.
Die richtige Reihenfolge lautet:
- Gerätedefekt ausschließen,
- betroffenen Stromkreis bestimmen,
- Lastverteilung prüfen,
- neue Stromkreise und Lastmanagement bewerten,
- Gesamtbedarf berechnen,
- erst bei tatsächlichem Bedarf eine Leistungserhöhung beantragen.
So lässt sich vermeiden, dass ein teurer Netzanschluss verstärkt wird, obwohl nur ein einzelner Stromkreis falsch genutzt oder geplant wurde.
Dokumentieren Sie, welcher Schutzschalter bei welchen Geräten und unter welchen Bedingungen auslöst.
Für die Prüfung von Verteiler, Zuleitung, Lastverteilung und tatsächlichem Leistungsbedarf können Sie eine Anfrage über Elektriker Wien stellen.
Erst nach dieser Prüfung sollte entschieden werden, ob ein neuer Stromkreis, Lastmanagement oder eine Leistungserhöhung notwendig ist.